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Poesie

 

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Gedichte, Zitate und Sprüche bieten die Möglichkeit,
den Ausdruck einer Zeit, einer Persönlichkeit oder eines Volkes wieder zu finden
und unseren Geist daran zu bereichern.

Es färbte sich die Wiese grün

Es färbte sich die Wiese grün,
Und um die Hecken sah ich blühn.
Tagtäglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Und immer dunkler ward der Wald,
Auch bunter Sänger Aufenthalt.
Es drang mir bald auf allen Wegen,
Ihr Klang in süßen Duft entgegen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Es quoll und trieb nun überall,
Mit Leben, Farben, Duft und Schall.
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Daß alles möchte lieblich scheinen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht.
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Vielleicht beginnt ein neues Reich ,
Der lockre Staub wird zum Gesträuch.
Der Baum nimmt tierische Gebärden,
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Wie ich so stand und bei mir sann,
Ein mächtger Trieb in mir begann.
Ein freundlich Mädchen kam gegangen,
Und nahm mir jeden Sinn gefangen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Sie ging vorbei, ich grüßte sie,
Sie dankte, das vergeß ich nie.
Ich mußte ihre Hand erfassen,
Und Sie schien gern sie mir zu lassen.
Ich wußte nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Uns barg der Wald vor Sonnenschein,
Das ist der Frühling fiel mir ein.
Kurzum, ich sah, daß jetzt auf Erden,
Die Menschen sollten Götter werden.
Nun wußt ich wohl, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.


Novalis,
Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (1772-1801)

Wer Schmetterlinge lachen hört

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Der wird zur Pflanze wenn er will,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen.
Und kann in einer Stunde,
durchs ganze Weltall reisen.

Der weiß, dass er nichts weiß,
wie alle Anderen auch nichts wissen.
Nur weiß er, was die Anderen,
und er noch lernen müssen.

Wer in sich fremde Ufer spürt,
und Mut hat sich zu recken,
der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
sich selbst entdecken.

Abwärts, zu den Gipfeln
seiner selbst blickt er hinauf.
Den Kampf mit seiner Unterwelt,
nimmt er gelassen auf.

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken schmecken.
Der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Wer mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben.

Carlo Karges (1951-2002)

Bergmannslied

Der ist der Herr der Erde
wer ihre Tiefe mißt,
und jeglicher Beschwerde
in ihrem Schoß vergißt.

Wer ihrer Felsenglieder
geheimen Bau versteht,
und unverdrossen nieder
zu ihrer Werkstatt geht.

Er ist mit ihr verbündet
und inniglich vertraut,
und wird von ihr entzündet
als wär sie seine Braut.

Er sieht ihr alle Tage
mit neuer Liebe zu
und scheut nicht Fleiß noch Plage
sie läßt ihm keine Ruh'.

Die mächtigen Geschichten
der längst verflossnen Zeit,
ist sie ihm zu berichten
mit Freundlichkeit bereit.

Der Vorwelt heil'ge Lüfte
umwehn sein Angesicht,
und in die Nacht der Klüfte
strahlt ihm ein ew'ges Licht.

Er trifft auf allen Wegen
ein wohlbekanntes Land,
und gern kommt sie entgegen
den Werken seiner Hand.

Ihm folgen die Gewässer
hilfreich den Berg hinauf,
und alle Felsenschlösser
tun ihre Schätze' ihm auf.

Er führt des Goldes Ströme
in seines Königs Haus,
und schmückt die Diademe
mit edlen Steinen aus.

Zwar reicht er treu dem König
den glückbegabten Arm,
doch fragt er nach ihm wenig
und bleibt mit Freuden arm.

Sie mögen sich erwürgen
am Fluß um Gut und Geld,
er bleibt auf den Gebirgen
der frohe Herr der Welt.


Novalis,
Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (1772-1801)

 

bild blumenranke

Erbarmen und Barmherzigkeit

Eines andern Pein empfinden,
heißet nicht barmherzig sein;
recht barmherzig sein, will heißen:
wenden eines andern Pein.

Friedrich von Logau,
1604 - 1655
Zorn-Urteil

Wo der Zorn den Richter macht,
hat Gerechter schon verspielt,
Weil der Zorn nicht auf das Recht,
sondern auf die Rache zielt.

Friedrich von Logau,
1604 - 1655

Trauen

Einem trauen ist genug;
Keinem trauen ist nicht klug;
Doch ist's besser, keinem trauen,
Als auf gar zu viele bauen. 

Friedrich von Logau,
1604 - 1655

Heimliche Liebe

Kein Feuer, keine Kohle
Kann brennen so heiß
Als heimliche Liebe,
Von der niemand nichts weiß.

Keine Rose, keine Nelke
 Kann blühen so schön,
 Als wenn zwei verliebte Seelen
Beieinander tun stehn.

Setze Du einen Spiegel
Ins Herz mir hinein,
Damit du kannst sehen,
Wie so treu ich es mein' !

Unbekannter Dichter,
18.Jh.

 

Rosen pflücke, Rosen blühn

Rosen pflücke, Rosen blühn
Morgen ist nicht heut!
Keine Stunde laß entfliehen,
Flüchtig ist die Zeit!

Trinke, küsse! Sieh, es ist
Heut Gelegenheit!
Weißt du, wo du morgen bist?
Flüchtig ist die Zeit!

Aufschub einer guten Tat
Hat schon oft gereut!
Hurtig leben ist mein Rat.
Flüchtig ist die Zeit!

Johannes Wilhelm Ludwig Gleim,
1719-1803

 

Freund und Feind

Teuer ist mir der Freund,
Doch auch den Feind kann ich nützen;
Zeigt mir der Freund, was ich kann,
Lehrt mich der Feind, was ich soll.

Friedrich Schiller
1759 - 1805

 

Aufgabe

Keiner sei gleich dem andern, doch 
gleich sei jeder dem Höchsten.
Wie das zu machen?
Es sei jeder vollendet in sich.

Friedrich Schiller
1759 - 1805

Wahl

Kannst du nicht allen gefallen
Durch deine Tat und dein Kunstwerk,
Mach' es wenigen recht;
Vielen gefallen, ist schlimm.

Friedrich Schiller
1759 - 1805

Der Mensch

Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar,
Kommt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret
Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr;
Glaubt zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst und zehret;
Trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kommt nimmer wieder.

Matthias Claudius,
1740 - 1815

Die Gesänge

Wo man singet, laß dich ruhig nieder,
Ohne Furcht, was man im Lande glaubt,
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.

Wenn der Becher mit dem Traubenblute
Unter Rosen unsre Stunden kürzt,
Und die Weisheit unsre Freuden würzt,
Macht ein Lied den Wein zum Göttergute.

Wenn die Sprache stirbt von meinem Munde
Und der Schauer mein Gebein durchläuft,
Und mit Eisenarm der Tod mich greift,
Singt ein Lied zu meiner schönen stunde! 

Johann Gottfried Seume,

1763 - 1810

Die schöne Nacht

Nun verlaß' ich dies Hütte,
Meiner Liebsten Aufenthalt,
Wandle mit verhülltem Schritte
Durch den öden, finstern Wald:
Luna bricht durch Busch und Eichen,
Zephir meldet ihren Lauf,
Und die Birken streun mit Neigen
Ihr den süßten Weihrauch auf.

Wie ergötz' ich mich im Kühlen
Dieser schönen Sommernacht!
O wie still ist hier zu fühlen,
was die Seele glücklich macht!
Läßt sich kaum die Wonne fassen;
Und doch wollt' ich, Himmel, dir
Tausend solcher Nächte lassen,
Gäb' mein Mädchen eine mir.

Johann Wolfgang Goethe,
1749-1832

 

blumenranke

Zur Ruh, zur Ruh

Zur Ruh, zur Ruh,
Ihr müden Glieder!
Schließt fest euch zu,
Ihr Augenlieder!
Ich bin allein,
Fort ist die Erde,
Nacht muß es sein, 
Daß Licht mir werde.

O führt mich ganz,
Ihr innern Mächte!
Hier zu dem Glanz
Der tiefsten Nächte.
Fort aus dem Raum
Der Erdenschmerzen
Durch Nacht und Traum
Zum Mutterherzen.

Justinus Kerner
1786 - 1862

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Weißt du, wieviel Sternlein stehen

Weißt du, wieviel Sternlein stehen
An dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wieviel Wolken gehen
Weithin über alle Welt?
Gott der Her hat sie gezählet,
Daß ihm auch nicht eines fehlet
An der ganzen großen Zahl.

Weißt du wieviel Mücklein spielen
In der hellen Sonnenglut?
Wieviel Fischlein auch sich kühlen
In der hellen Wasserflut?
Gott der Herr rief sie mit Namen,
Daß sie all' ins Leben kamen,
Daß sie nun so fröhlich sind.

Weißt du, wieviel Kinder frühe
Stehn aus ihren Bettlein auf,
Daß sie ohne Sorg und Mühe
Fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
Seine Lust, Sein Wohlgefallen,
Kennt auch dich und hat dich lieb. 

Wilhelm Hey
1790 - 1854

Abendlied

Abend wird es wieder:
Über Wald und Feld
Säuselt Friede nieder,
Und es ruht die Welt.

Nur der Bach ergießet
Sich am Felsen dort,
Und erbraust und fließet
Immer, immer fort.

Und kein Abend bringet
Frieden ihm und Ruh',
Keine Glocke klinget
Ihm ein Rastlied zu.

So in deinem Streben
Bist, mein Herz, auch du:
Gott nur kann dir geben
Wahre Abendruh'.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben
1798 - 1874

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß die Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden!

Ludwig Uhland
1787 - 1862

Frühlingsbotschaft

Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute,
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus bis an das Haus,
Wo die Blumen sprießen.
Wenn du eine rose schaust,
Sag', ich laß' sie grüßen.

Heinrich Heine
1797 - 1856

Bild von Engeln

Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph Freiherr von Eichendorff
1788 - 1857

blumenranke

Ich und du

Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich eines
Im anderen ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

Friedrich Hebbel
1813 - 1863

Gralslied

Im fernen Land, unnahbar euren
Schritten,
Liegt eine Burg, die Monsalvat
genannt.
Ein lichter Tempel stehet dort
inmitten,
So kostbar wie auf Erden nichts
bekannt:
Drin ein Gefäß von wundertät'gem
Segen
Wird dort als höchstes Heiligtum
bewacht;
Es ward, daß sein der Menschen reinste
pflegen,
Herab von einer Engelschar
gebracht.
Alljährlich naht vom Himmel eine
Taube,
Um neu zu stärken seine
Wunderkraft:
Es heißt der Gral, und selig reinster
Glaube
Erteilt durch ihn sich seiner
Ritterschaft.
Wer nun dem Gral zu dienen ist
erkoren,
Den rüstet er mit überird'scher
Macht;
An ihm ist jedes Bösen Trug
verloren,
Wenn er ihn sieht, weicht dem des
Todes Nacht.
Selbst wer von ihm in ferne Land'
entsendet,
Zum Streiter für der Tugend Recht
ernannt,
Dem wird nicht seine heil'ge Kraft
entwendet,
Bleibt als sein Ritter dort er
unerkannt.

Richard Wagner
1813 - 1883
(Aus "Lohengrin")

Umsonst

Immer rascher fliegt der Funke
Jede Dschunke und Spelunke
Wird auf Wissenschaft bereist,
Jede Sonne wird gewogen
Und in Rechnung selbst gezogen,
Was noch sonnenjenseits kreist.

Immer höh're Wissenstempel,
Immer richt'ger die Exempel.
Wie Natur es draußen treibt,
Immer klüger und gescheiter,
Und wir kommen doch nicht weiter,
Und das Lebensrätsel bleibt

Theodor Fontane
1819 - 1898

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd,
fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht,
die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel
1813 - 1863

Frage und Antwort

Fragst du mich, woher die bange
Liebe mir zum Herzen kam,
Und warum ich ihr nicht lange,
Schon den bittern Stachel nahm?

Sprich, warum mit Geisterschnelle
Wohl der Wind die Flügel rührt,
Und woher die süße Quelle
Die verborgnen Wasser führt?
Banne du auf seiner Fährte
Mir den Wind im vollen Lauf!
Halte mit der Zaubergerte
Du die süßen Quellen auf!

Eduard Mörike
1804 - 1875

Die Liebe

Wenn sanft von Rosenhügeln
Der Tag nach Westen schleicht,
Der Nacht mit Schlummerflügeln
Und Sternenchor entweicht,

Will ich die Liebe singen
Auf der Theorbe hier,
Mein Lockenhaar umschlingen
Mit süßen Myrten ihr,

Es soll dann widertönen
In dieser Grotte Nacht,
Das Loblied meiner Schönen
Wenn nur die Quelle wacht,

Und wenn vom Morgensterne
Mir Wonne niederblinkt,
Und sich die heitre Ferne
Mit Rosenkranz umschlingt,

Tön ich in kühlen Klüften
Auch meiner Liebe Lied,
Umtanzt von Blumendüften
Wenn aller Schlummer flieht,

Und rund um mich erwachet
Der Nachtigallen Chor,
Und jede Aue lachet
Und jeder Hirt ist Ohr,

Nein, süßer als die Liebe
Empfand kein Sterblicher,
Was hie bevor war trübe
Wird durch sie lieblicher.

Novalis,
Georg Philipp Friedrich von Hardenberg 1772-1801

Zum Geburtstag

Das Rad der Zeit hat sich gewendet und uns ein neues Jahr gespendet.

Was wird die nächste Zeit bringen? Kein Aug kann ihre Nacht durchdringen.

Ich wünsch aus meiner Seele Grund: Verbleibe froh du und gesund;

Und was dem Alter an Beschwerden anklebt, das mög erträglich werden.

Du bist des Besten dir bewusst, es atmet leicht drum deine Brust.

Der Lenker in den Höh'n bewahre dein Leben noch recht viele Jahre;

Spende dir hier im Voraus schon den ganz und reich verdienten Lohn!

Aus dem 19.Jh

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Die Erlen

Wo hier aus den felsichten Grüften
Das silberne Bächelchen rinnt,
Umflattert von scherzenden Lüften
Des Maies die Reize gewinnt.

Um welche mein Mädchen es liebt
Das Mädchen so rosicht und froh,
Und oft mir ihr Herzchen hier gibt
Wenn städtisches Wimmeln sie floh. 

Da wachsen auch Erlen, sie schatten
Uns beide in seliger Ruh,
Wenn wir von der Hitze ermatten
Und sehen uns Fröhlichen zu. 

Aus ihren belaubeten Zweigen
Ertönet der Vögel Gesang,
Wir sehen die Vögelchen steigen
Und flattern am Bache entlang. 

O Erlen, o wachset und blühet
Mit unserer Liebe doch nur,
Ich wette, in kurzer Zeit siehet
Man euch als die Höchsten der Flur.

Und kommet ein anderes Pärchen
Das herzlich sich liebet wie wir,
Ich und mein goldlockiges Klärchen
So schatte ihm Ruhe auch hier.


Novalis,
Georg Philipp Friedrich von Hardenberg 1772-1801

Kunst der Zeit

Die Zeit die niemals stehen bleibt,
auch stets dich immer vorwärts treibt,
ist unstet, wie ein sprudelnd Quell,
sie fließt dahin, und zwar ganz schnell.

 

blumenranke