Thermische Behandlung und energetische Verwertung von Abfällen

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Durch die thermische Abfallbehandlung wird Energie freigesetzt und nutzbar gemacht. Diese Energie ist chemisch gebunden in den organischen Anteilen des Abfalls. Folgende Verfahren werden derzeit genutzt:
- Verbrennung von Hausmüll (z.b. Rostfeuerung, Wirbelschichtverbrennung) und verschiedener Sonderabfälle
- Pyrolyse verschiedener Sonderabfälle
- Kombination der Hausmüllpyrolyse mit einer nachgeschalteten Hochtemperaturverbrennung von Schwelprodukten
- Hochdruckhydrierung von Kunststoffgranulat, Erdölrückständen und anderer kohlenstoffhaltiger Abfälle
- Naßoxidation von Klärschlämmen

Bei der Thermische Abfallbehandlung werden folgende Ziele verfolgt:
- sicher kontrollierbare Abfallbehandlung mit äußerst geringen Emissionen
- Verringerung des Gefährdungspotentials abzulagernder Restabfälle
- größtmögliche Reduzierung des Abfallvolumens und hygienisch einwandfreie Reststoffe
- Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus den Reststoffen der thermischen Behandlung
- Nutzbarmachung der im Abfall enthaltenen Energie für Wärme- und Stromerzeugung

Folgende Bedingungen müssen bei der energetischen Verwertung von Abfällen durch Verbrennung erfüllt sein:
- Heizwert des unvermischten Abfalls zwischen 7960 und 8160 kJ/kg
- Müllbedarf 2,7 bis 3,3 kg/kWh
- Energiebedarf des Mülls 22020bis 26250 kJ/kWh
- Feuerungswirkungsgrad über 75%
- die anfallenden Reststoffe sollen möglichst ohne weitere Behandlung ablagerbar sein
- Stromerzeugung pro Tonne Müll 300 bis 365 kWh
- Dampferzeugung pro Tonne Müll 1,9 bis 2,4 t
Dies bedeutet, daß zur Erzeugung von 1kWh Strom etwa 2,7 bis 3,3 kg Hausmüll mit einem Heizwert von rund 7960 kJ/kg verbrannt werden müssen.

Stoffstrom in der Müllverbrennungsanlage:

     1000kg Restmüll
                 |
     Anlieferung, Wiegen, Lagerung
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     Verbrennung -----------------------------> Schlacke (250-350 kg), Asche (5-15 kg)
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     Energieerzeugung ------------------------> Dampf, Strom
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     Rauchgasentstaubung ---------------------> Filterstaub (20-40 kg)
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     Rauchgaswäsche -------------------------> Salzsäure, Gips, Mischsalze, schadstoffbefrachtete feste Rückstände (15-45 kg)
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     4000 - 7000 m3 gereinigte Abgase

Hausmüllverbrennungsanlage mit Rostfeuerung

Müllverbrennungsanlagen müssen in Deutschland nach der geltenden Bundes - Immissionsschutz - Verordnung (BImschV) genehmigt sein. Eine Hausmüllverbrennungsanlage besteht aus folgenden grundlegenden technologischen Einheiten:
- Abfalllagerung
- Feuerung und Kessel
- Abwärmeverwertung
- Rauchgasreinigung und -ableitung
Um einen wirtschaftlichen Betrieb zu erreichen, muß die Anlieferung einer Müllmenge über 100000t/a gewährleistet sein. Damit der Anlagenbetrieb gleichmäßig von statten gehen kann, wird der Müll bis zu 72h in einem Müllbunker zwischengelagert. Die Verbrennung von Hausmüll erfolgt oft in Anlagen mit Rostfeuerung. 
Die ankommenden Sammel- und Transportfahrzeuge werden mitsamt geladenem Müll gewogen, der Müll wird in einen Bunker gekippt. Von dort gelangt der Müll durch einen Greiferkran über einen Aufgabetrichter in die Feuerung. Das Material wandert über einen Feuerungsrost, bestehend aus Vortrockenrost, Haupttrockenrost und Ausbrandrost. Da die Luftzufuhr bei diesen Rostsystemen gesteuert werden kann, daß Brenngut durch den Rost umgewälzt und weitertransportiert wird, können hohe Durchsatzleistungen und ein guter Ausbrand erreicht werden.
Die im Feuerraum freigesetzte Verbrennungswärme führt zu einer Aufheizung der Rauchgase auf über 850°C. Dem Feuerraum folgt der Nachverbrennungsraum, in dem die Temperatur noch mindestens 800°C betragen soll.
Bei der Abgasströmung wird zwischen Gleich-, Mittel- und Gegenstromprinzip unterschieden. Die Bezeichnung folgt aus der Richtung der Abgasströmung in Relation zur Abfalltransportrichtung. Die Abwärme des heißen Rauchgases wird meist in einem Dampferzeuger genutzt. Der gewonnene Dampf wird zur Erzeugung von Elektroenergie und Fernwärme verwendet.
Bei der Müllverbrennung fällt ein relativ großer Rauchgasstrom an, der entsprechend den gesetzlichen Vorgaben gereinigt werden muß. Das Rauchgas gelangt in eine Rauchgasreinigungsanlage, in welcher Luftschadstoffe wie Flugasche, SO2, NOX, HCl, Schwermetallaerosole, Dioxine u. a. abgeschieden werden. Das gereinigte Abgas gelangt über einen entsprechend bemessenen Schornstein in die Atmosphäre.
In der Verfahrenslinie fallen ca. 35%  der ursprünglichen Abfallmenge in Form fester Rückstände an. Der Ausbrand, Schlacke und Asche, werden in einem Wasserbad gelöscht und über Förderbänder ausgetragen. Die nicht verwertbaren Verbrennungs- rückstände, Filterstaub und andere Rückstände der Rauchgasreinigung verbringt man in Deponien.

Wirbelschichtverbrennung

Hierunter versteht man die Verbrennung  von Stoffen in vertikalen Ofen, welcher im unteren Teil mit einem Sandbett gefüllt ist. Der Sand wird in Schwebezustand versetzt, indem Verbrennungsluft durch Düsen am Ofenboden eingeblasen wird. So bildet sich eine Wirbelschicht mit flüssigkeitsähnlichen Eigenschaften, die für einen guten Stoffaustausch, sowie für eine gute Wärmeleitung sorgt. Bei dieser Art der Verbrennung entstehen verhältnismäßig geringere Mengen an Stickoxiden als bei der Rostfeuerung. Da die Abfälle vor der Verbrennung unbedingt zerkleinert werden müssen, ist dieses Verfahren nicht für alle Abfallarten geeignet. Auch dürfen die Verbrennungstemperaturen 800°C nicht wesentlich überschreiten, da sonst die Gefahr besteht, daß das Sandbett verbackt.

Klärschlämme

Klärschlämme müssen vor ihrer Verbrennung erst entwässert werden. Dies geschieht mittels Siebbandpressen oder Zentrifugen. Danach können sie je nach Belastung mit verschiedenen Verfahren in Müllverbrennungsanlagen verwertet werden.

Sonderabfallverbrennung


Verschiedene Arten besonders überwachungsbedürftiger Abfälle sollten zweckmäßigerweise einer Sonderabfallverbrennung zugeführt werden. Hierzu zählen unter anderem Mineralölrückstände, verschiedene Mineralölprodukte, Abfälle der Kohleveredlung, Kunststoffe usw.. Die Verbrennung erfolgt je nach Abfalleigenschaften in einer Drehrohr-, Drehetagen- , Wirbelschicht- oder Rostfeuerung oder in speziellen Brennkammern. Mögliche Verbrennungsarten sind die am Anfang erwähnten Verfahren der Pyrolyse, Kombination der Pyrolyse mit einer nachgeschalteten Hochtemperaturverbrennung von Schwelprodukten und Hochdruckhydrierung. 

Pyrolyse

Als Pyrolyse bezeichnet man die vollständige thermische Zerstörung von organischer Substanz unter Luftabschluß ohne Einwirkung eines Vergasungsmittels. Der Prozeß erfordert die Zufuhr von Wärmeenergie. Physikalische und Chemische Prozesse der Verbrennung laufen zeitlich und räumlich getrennt voneinander ab. Als Ziel wird allgemein verfolgt, einen speicherbaren Energieträger in Form von Pyrolysegas zu erzeugen. Man unterscheidet zwischen:
- Schwelverfahren mit einer Prozeßtemperatur unter 500°C
- Mitteltemperaturpyrolyse im Temperaturbereich von 500 bis 800°C
-Schmelzpyrolyse bei Temperaturen von 800 bis 1500°C
Die Verbrennungszeit in Pyrolyseanlagen beträgt 10 Stunden, also zehnmal so lange wie in Abfallverbrennungsanlagen. In Abhängigkeit von den gewählten Prozeßbedingungen entstehen Pyrolysegas, -koks, -öl, bzw. -teer als Produkte. Pyrolyseprodukte treten überall dort auf, wo Schwelprozesse in Zusammenhang mit der Verbrennung kohlenstoffhaltiger Materialien stehen. Das Pyrolysegas enthält die Komponenten CO, H2 und CH4, welche in nachgeschalteten Prozeßstufen zur Erzeugung von Wärmeenergie nutzbar sind.
Die Pyrolyse wird in einer Drehrohrtrommel, in einem Schachtreaktor oder als Flugstromvergasung realisiert. Der zerkleinerte Müll wird der beheizten Schweltrommel zugeführt. Das Schwelgas gelangt zu einem Gaswandler (Cracker, Reaktor), wo höher organische Bestandteile zerschlagen und Staubinhaltstoffe zurückgehalten werden. Es erfolgt eine Teilverbrennung des Schwelgases zu CO,CO2, H2O und Wärme, eine thermische Crackung zu CH4, C2H4, H2, H2O und C und der Ablauf der Wassergasreaktion. Das im Gaswandler erzeugte Spaltgas wird nach Abkühlung in einer Gaswäsche (zweistufig --> saure Stufe mit H2SO4, alkalische Stufe mit NaOH) gereinigt und dem nachfolgenden Gasmotor zur Stromerzeugung angeboten. Das Waschwasser wird nachbehandelt und in eine Kläranlage eingeleitet. Die Pyrolysereststoffe aus der Schweltrommel werden zur Hausmülldeponie abgefahren.

Schwel-Brenn-Verfahren (Kombination der Pyrolyse mit einer nachgeschalteten Hochtemperaturverbrennung)

Zuerst entgasen die zerkleinerten Abfälle in einer rotierenden Schweltrommel bei 450°C und werden dadurch in Pyrolysegas und feste Pyrolyserückstände aufgetrennt. Das Gas wird direkt in eine weitere Brennkammer geleitet. Die verbleibenden Pyrolyserückstände werden abgekühlt und in eine Fraktion  größer und kleiner 5mm aufgetrennt. Die Grobfraktion besteht hauptsächlich aus Eisen-Metallen, Nichteisen-Metallen und inertem Material wie Glas, Steine und Keramik. mittels Magneten und Wirbelstromscheidern entstehen weitgehend sortenreine Fraktionen, die in der Metallindustrie Absatz finden. Die Feinfraktion besteht fast ausschließlich aus Kohlenstoff, die auf Korngrößen unter 1mm zerkleinert und über eine Silo-Zwischenlagerung zusammen mit dem Pyrolysegas in den Brennraum eingedüst wird. Bei Temperaturen von 1300°C schmelzen auch die mineralischen Rückstände. Diese granulieren im Wasserbad und können später im Straßenbau verwertet werden. Der aus Dampferzeuger und Elektrofilter abgezogene Flugstaub wird in die Brennkammer zurückgeführt, das Abwasser wird in Kreisläufen geführt. Der erzeugte Dampf wird zur Stromerzeugung oder Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden. Die Rauchgasreinigung entspricht der einer konventionellen Müllverbrennungsanlage.

Hochdruckhydrierung

Bei der Hochdruckhydrierung wirkt meist Wasserstoff bei Temperaturen von 400 bis 600°C und Drücken bis 300 bar auf kohlenstoffhaltige Abfälle. Mit dem Verfahren können Altkunststoffe und Erdölrückstände stofflich verwertet werden. Als Reaktionsprodukte entstehen:
- gasförmige Kohlenwasserstoffe sowie CO und CO2
- flüssige Kohlenwasserstoffe (synthetisches Rohöl)
- fester Rückstand (Hydrierbitumen)